Biografie

1905 in Flöha geboren wuchs Hans Körnigs in der quirligen und turbulenten Atmosphäre des Provinzbahnhofes auf, dessen Restaurant seine Eltern führten und den gleichzeitig der Hauch der weiten Welt durchwehte. 1919 begann Körnig in Dresden, wo die Familie inzwischen lebte, eine Elektrikerlehre. In seiner freien Zeit zeichnete er begann Klavier zu spielen.

Sein später in der Dresdner Kunstszene legendär gewordenes  Dachbodenatelier, baute ihm 1935 der Architekt Jährig, ein Freund seines Schwagers Hermann Reiser aus.

Von 1930 – 1933 studierte Körnig an der Kunstakademie in Dresden. Er war von 1930 bis 32 Schüler bei Richard Müller und Hermann Dittrich, von 1932 bis 33 bei Ferdinand Dorsch und Max Feldbauer. In den Semesterferien gab es keine ausgedehnten Studienreisen, stattdessen wurde der Lebensunterhalt durch Autowaschen verdient. Von seinen Lehrern schätzte und verehrte Körnig besonders den Anatomen und Zeichenlehrer Hermann Dittrich. Auch Jahre nach seiner Akademiezeit besuchte er hin und wieder den inzwischen pensionierten Dittrich, den er als seinen eigentlichen Lehrer bezeichnete. 1933 verließ Körnig die Kunstakademie aus stillem Protest gegen die Entlassung von Otto Dix.

Nach dem Weggang von der Akademie schlug sich Körnig als freier Künstler durch. Im Hause einer Malerfamilie in Dresden Loschwitz lernte er die Pianistin Elise Schwabhäuser kennen, eine ehemalige Liszt-Schülerin. Mit ihr spielte er zweimal pro Woche vierhändig Klavier. Sie wurde in der folgenden Zeit regelrecht seine Mäzenatin. 1935 und 1936 begleitete er sie auf mehrwöchigen Italienreisen, auf denen er Venedig, Florenz, Rom, Neapel, Mailand, den Gardasee und auch die Schweiz kennen lernte. 1937 folgte ein ausgedehnter Parisaufenthalt und ein kurzer Abstecher nach Südfrankreich. Auf dem Rückweg nach Dresden sah er in München auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ noch ein letztes Mal die Avantgarden der deutschen Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts  von der „Berliner Sezession“ über „Brücke“ und „Blauer Reiter“ bis hin zu den Vertretern der Neuen Sachlichkeit öffentlich an den Pranger gestellt.

Unter dem Einfluss dieser Reisen wurde Körnigs Malstil ungezügelter, schwelgte er in wahren Farborgien, wie er später selber bekannte. Eine Hinwendung vom bloß Malerischen mehr zum Zeichnerischen wurde 1940 durch die Einziehung zum Kriegsdienst unterbrochen. Er kam an die Front nach Russland. Während eines Rückzugsgefechts 1945 erlitt er eine Verletzung am rechten Unterschenkel, der daraufhin amputiert werden musste. Im August 1945 kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft heim nach Dresden.

Im Abendakt an der Kunstakademie setzte Körnig im Winter 1946/47 wieder da an wo er 1940 so abrupt aufhören musste, der Überwindung einer impressiven malerischen Sehweise zugunsten der Betonung der Linie.

1951 heiratete er Lisbeth Reichert verw. Thomas. Mit den beiden Töchtern Gisela und Ursula aus Lisbeth Körnigs erster Ehe und dem ebenfalls 1951 geborenen Töchterchen Margarete ist Körnigs neue Familie unerschöpfliches Motiv seiner künstlerischen Produktionen und Quelle seines höchsten Glücks. Im gleichen Jahr fand Körnigs erste Personalausstellung in der Kunstausstellung Kühl statt, die mit wohlwollenden Kritiken bedacht wurde.

1953 beginnt Körnig sich mit der Technik der Aquatintaradierung zu beschäftigen. Bereits im ersten Jahr entstanden 66 Blätter, das gesamte Ouevre wird gegen Ende seines Lebens weit über 1000 Arbeiten betragen.

Da es für den Maler in Dresden keine Ausstellungsmöglichkeiten gab, zum einen durch fehlende Räumlichkeiten, zum anderen durch seine unangepasste Kunst, organisierte er kurzerhand in Eigenregie eine Schau seiner Arbeiten im eigenen Atelier und dem angrenzenden Dachboden. Der Einladung zur Eröffnung folgten Künstlerkollegen, Kunsthistoriker und das interessierte Publikum in Scharen. Das Ereignis sorgte in Dresden für Furore und ging als „Erste Dachboden-Ausstellung“ in die Annalen der Stadt ein. Mit dieser Eigeninitiative geriet Körnig in Konflikt mit den Funktionären des Künstlerverbandes. Dem Kunsthistoriker Fritz Löffler schreibt er:

Sie müssten doch auch als Kunsthistoriker froh sein und es aus tiefsten Herzen begrüßen, wenn endlich einmal einer hier im Lande der Verängstigten es wagt, aus der Reihe zu tanzen und den Mut aufbringt, seine Arbeiten zu zeigen und durchzusetzen.“ Im Juni 1955 veranstaltet er anlässlich seines 50. Geburtstages eine zweite Dachboden–Ausstellung zu deren Eröffnung neben den damals jungen Malern Peter Graf, Strawalde, Georg Baselitz und a.r. penck auch Otto Dix erscheint.

In den 50er Jahren wurde auch der damalige Außenminister der DDR, Dr. Lothar Bolz auf Körnigs Arbeiten aufmerksam. Der Sammler kaufte wiederholt Aquatinten und Ölbilder an und  vermittelte die Arbeiten Körnigs auch an andere Sammler in Berlin. Der Kontakt blieb auch bestehen, als Körnig 1961 nicht in die DDR zurückkehrte und Bolz sammelte weiterhin dessen Aquatinten. Wegen der Aquatintaradierung „Straße der Befreiung“, auf welcher dem Reiterstandbild Augusts des Starken, Hammer und Sichel der Sowjetunionfahne unter die Hufe seines Pferdes geraten, wird Körnig am 25. Juli 1958 endgültig aus dem VBKD ausgeschlossen.

Im Juli 1961 unternahm Hans Körnig mit seiner Frau und Tochter Margarethe eine illegale Reise über West-Berlin und Düsseldorf nach Holland und Belgien. Auf dem Heimweg begriffen, wurde er vom Mauerbau überrascht und entschloss sich, in der BRD zu bleiben. Das in Dresden zurückgelassene künstlerische Werk wurde beschlagnahmt und blieb bis 1990 unzugänglich. In Niederwinkling in Niederbayern konnte er schließlich ein kleines Haus so günstig mieten, dass er Wohnung und  einen Arbeitsraum sowie eine alte Küche zum Ätzen der Kupferplatten zur Verfügung hatte. Es folgten die Jahre des ausgiebigen Reisens. Mehrwöchige Aufenthalte in Österreich, Paris, Wien London, Berlin, Spanien, Istanbul, Italien um nur einige Ziele zu nennen, lieferten genug Anregungen und Stoff für die künstlerische Produktion des restlichen Jahres. In den 70er und 80er Jahren wandte er sich dann verstärkt der Illustration zu. Esentstanden15 zum Teil recht umfangreiche Zyklen zu Werken von Franz Kafka, Friedrich Dürenmatt, James Joyce und anderen.

Im Oktober 1989 schied Hans Körnig durch Freitod aus dem Leben.


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