
Kurzbiografie
geb. am 22. Juni 1905 in Flöha, die Eltern betrieben in Flöha die florierende Bahnhofswirtschaft mit Hotel
1916
Aufgabe des Geschäfts und Übersiedelung mit den Eltern, die in den Ruhestand gingen, nach Dresden Loschwitz
1919
Elektrikerlehre, übte den Beruf bis 1929 als Angestellter aus
- gleichzeitige Hinwendung zu musischen Dingen, wie der Wiederaufnahme des Klavierunterrichts und autodidaktischer Beschäftigung mit Malerei und Grafik
1930-33
Studium an der Kunstakademie Dresden bei Richard Müller und Herrmann Dietrich, das Studium finanzierte er selbst von den Ersparnissen aus seiner zehnjährigen Berufstätigkeit
1933
verließ Körnig aus Protest gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten die Akademie und schlug sich bis zu seiner Einziehung zum Militär 1940 als freier Künstler durch
- Mrs. Jackson, eine Sammlerin aus Amerika, kaufte in diesen Jahren regelmäßig seine Arbeiten, Elise Schwabhäuser, eine Pianistin, mit der er sich regelmäßig zum vierhändigen Klavierspiel traf, begleitete er auf mehreren ausgedehnten Studienreisen, so 1935 und 36 nach Italien und 1937 nach Paris und Südfrankreich
1935
Einzug in das Dachbodenatelier im Wallgäßchen Nr. 1b, welches ihm der Architekt Jährig ausgebaut hatte
1940-45
diente er als einfacher Soldat, zuletzt an der Ostfront wo er in Gefangenschaft geriet
1946
auf der Flucht aus der Gefangenschaft Schussverletzung in dessen Folge er den rechten Unterschenkel verlor
- Rückkehr nach Dresden, im Gegensatz zu vielen anderen Dresdner Künstlern blieb sein Atelier und sein künstlerisches Werk bei der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 unversehrt, für etwa ein Jahr leitete er das Aktzeichnen an der Dresdner Kunstakademie
1949
lernt er Lisbeth Reichert, verw. Thomas kennen, 1951 heiratet er die Kriegswitwe und zieht mit ihr und ihren beiden Töchtern nach Pieschen um, die gemeinsame Tochter Margarethe kommt im gleichen Jahr zur Welt, die Gründung einer Familie gab dem sensiblen Künstler über Jahrzehnte einen sicheren Halt und war darüber hinaus eine wichtige Inspirationsquelle für sein Schaffen
Anfang der 50er Jahre
fanden die ersten Personalausstellungen Körnigs statt, 1951 in der Kunsthandlung Heinrich Kühl in Dresden und 1954 in der Galerie Henning in Halle, beides waren Privatgalerien
- mangels Ausstellungsmöglichkeiten von offizieller Seite zeigte Körnig 1954 und 55 Eigeninitiative und veranstaltete zwei eigene Ausstellungen in seinem Atelier im Wallgässchen, die legendär wurden, in den Arbeiten, die er in diesen Ausstellungen zeigte, setzte er sich mit dem Expressionismus und der klassischen Moderne auseinander, zu den Besuchern der Ausstellungen zählte u.a. der Dresdner Kunsthistoriker Fritz Löffler, der in der „Union“ über die Ausstellungen berichtete
- weitere Ausstellungen, nun auch in staatlichen Museen und Galerien folgten, u.a. im Lindenau-Museum in Altenburg, im Kupferstichkabinett des Alten Museums Berlin und in der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle, auch in der BRD konnte er zwischen 1954 und 57 ausstellen
- trotz dieser Aktivitäten wurden Körnigs Arbeiten vom VBKD als zu formalistisch beargwöhnt und mit „widerlichen Zügen“ behaftet, seine Beteiligung an der Großen Berliner Kunstausstellung am Funkturm 1958 lieferte schließlich den willkommenen Anlass, ihn aus dem VBKD auszuschliessen, was mit dem Verlust der Steuernummer verbunden, faktisch einem Berufsverbot gleichkam
1961
wurde Körnig auf einer als illegal geltenden Reise durch Holland und Belgien vom Mauerbau überrascht und entschloss sich aus Furcht vor weiteren Repressalien und aus Rücksicht auf seine Familie, nicht in die DDR zurückzukehren, er verlor damit seine Wahlheimat und sein gesamtes künstlerisches Werk, das beschlagnahmt und im Depot des Dresdner Stadtmuseums gelagert wurde, der Republikflüchtling Körnig wurde aus der Kunstgeschichtsschreibung der DDR getilgt
- bis zu seinem Tod wohnte er nun mit seiner Familie in einem kleinen bayerischen Dorf in einer Atmosphäre, die seine Arbeit nicht inspirieren konnte, um dem zu entgehen unternahm er mit seiner Familie trotz enger finanzieller Verhältnisse beinahe jährlich eine längere Reise, Otto Dix unterstützte ihn in den schweren Anfangsjahren finanziell und verwendete sich für seinen Freund Körnig bei entsprechenden Museen und Galerien
1972
besuchte Körnig Dresden erstmals nach der Amnestie für Republikflüchtlinge von 1971, ein letztes Mal im Herbst 1988, anlässlich einer der Herausgabe des Mappenwerks „Fastnachtsspuk im Wallgäßchen“
am 14. Oktober 1989
schied Hans Körnig freiwillig aus dem Leben, nach seinem letzten Willen wurde seine Urne im Februar 1990 auf dem Inneren Neustädter Friedhof beigesetzt
1992
wurde Hans Körnig mit einer Personalausstellung im Dresdner Stadtmuseum rehabilitiert und sein in Dresden verbliebener Nachlass seiner Familie übergeben
www.hans-körnig.de