Neben der Malerei und Graphik existiert ein umfangreicher Bestand an Zeichnungen, der nahezu unbekannt ist. Er umfasst eine Zeitspanne von reichlich vierzig Jahren, beginnend in den 30ern bis in die 70er Jahre hinein. Auch hier sind die prägnantesten Arbeiten in den 50ern entstanden.

Ein satter und weicher Graphitstrich ist charakteristisch für Körnigs Arbeiten der 30er Jahre in denen er Dresden und dessen ländliche Umgebung durchstreifte. Dörfliche Gegenden und die neugierig – trotzigen Gesichter Goppelner Bauernkinder finden sich in seinen Skizzenbüchern wie auch Stadtlandschaften des noch unzerstörten Dresdens, des historischen Dresdens innerhalb des 26er Ringes aber auch entlang der Elbe von den Loschwitzer Hängen über das Waldschlößchen bis zu den Hafenanlagen im Pieschener Winkel. Ausgiebig widmete Körnig sich auch den Einzelheiten des Interieurs seiner Mäzenatin, der Pianistin Elise Schwabhäuser, und des eigenen Ateliers im Wallgäßchen. Zahlreiche Porträts der Mäzenatin und seiner damaligen Freundin Olga in allen denkbaren Gemütszuständen zeugen von seinem frühen Faible für das menschliche Antlitz als Abbild individueller Befindlichkeiten.

Matisse und Picasso nachspürend beherrschte nach der fünfjährigen Zäsur des 2. Weltkrieges die mit der Feder gezogene Linie die Zeichnung. In diese gleichermaßen großzügigen wie präzisen Arbeiten werden manchmal mit einer kleinen Druckwalze Farben hineingewalzt, die den Darstellungen räumliche Tiefe verleihen, malerische Weichheit und eine zusätzliche Rhythmisierung.

Im Wesentlichen entstanden in diesen Jahren Federzeichnungen auf großformatigen Blättern, auf denen Körnig das Leben seiner Familie festgehalten hat. Alltägliche, häusliche Situationen, aber auch auf Reisen: während eines sonntäglichen Ausfluges nach Moritzburg an der Bushaltestelle wartend und träumend , in enge Zugabteile gepfercht auf dem Weg zur Ostsee und endlich ganz entspannt am Strand auf Usedom oder Rügen den Urlaub genießend.

Dem Wachsen und Werden seiner 1951 geborenen Tochter Margarethe widmete Körnig innerhalb weniger Jahre mehrere hundert Blätter. Ein kleiner Teil von ihnen erschien 1958 in einem schmalen Büchlein, der „Chronik einer Kindheit“ mit einer einfühlsamen Einführung des Journalisten Helmut Ullrich, den Körnig bereits 1955 in einer seiner besten Aquatinten porträtierte.

Seinem ungebrochenen Interesse für das Porträt folgend, zeichnete Körnig neben der Familie auch Nachbarn, Zufallsbekanntschaften, die Schulfreundinnen der Töchter und befreundete Künstler und Intellektuelle, die Kenner seiner Arbeiten waren und sie zu schätzten wussten. Meist lud er die zu Porträtierenden in sein Atelier, platzierte sie in einen halbwegs bequemen Armlehnstuhl zwischen dem blauen Dachbalken und dem goldgerahmten, lebensgroßen Spiegel und los ging´s. Entgegen aller Gewohnheit begann er bei den Füßen und arbeitete sich zum Kopf vor. Manchmal reichte der Bogen nicht und es wurde oben „angestückelt“.

Vor allem in diesen Zeichnungen der 50er Jahre liegt der Ursprung und Schlüssel zum Verständnis des graphischen und malerischen Werks Körnigs. Es sind in ihrer Unmittelbarkeit erlebnishafter Niederschrift freie und eigenständige Arbeiten, die ursprünglich wohl gar nicht als Vorlage für seine Malerei und Graphik dienen sollten. Dies geht aus der Datierung der Blätter hervor. Zwischen einer Zeichnung und dem als Gemälde oder Aquatinta wiederholten Motiv liegen oft mehrere Jahre.

Im Besitz der Galerie Albstadt, die bereits seit ihrer Gründung 1976 eine umfangreiche Sammlung Dresdner Künstler von großartiger zeichnerischer Brillanz aufbaute, befindet sich mit fast 50 Arbeiten der größte museale Bestand von Zeichnungen Hans Körnigs.

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Am Meer 1952, 640 x 480 mm
Feder in schwarzer Tusche


Lisbeth im blauen Kittel, ca. 1952 ,
590 x 426 mm,
Feder in schwarzer Tusche



Eingeschlafen (Unglücklich),
1951, 590 x 426 mm,
Feder in schwarzer Tusche